Zu verstehen, wie der eigene Körper und der Menstruationszyklus funktionieren, kann eine sehr bestärkende Erfahrung sein. Während Taking Charge of Your Fertility (TCOYF) ein großartiges Buch ist, um noch mehr Einblicke zu bekommen und zu lernen, wie der Körper funktioniert und wie man Fruchtbarkeitsparameter wie die Veränderungen des Zervixschleims im Verlauf des Zyklus beobachtet, unterscheidet es sich in vielerlei Hinsicht deutlich von Natural Cycles.
Die „TCOYF-Regeln“
Im Buch gibt TCOYF „Regeln“ vor, die dir helfen, deine Fruchtbarkeit selbst in die Hand zu nehmen. Diese Regeln sind leicht abgewandelt von der Symptothermalen Methode (STM), die die Beobachtung des Zervixschleims mit dem manuellen Messen der Basaltemperatur kombiniert.
Einschränkungen der symptothermalen Methode
Die symptothermale Methode birgt aus zwei Gründen ein hohes Fehlerrisiko:
- Allein anhand des Zervixschleims festzustellen, ob man zu Beginn des Zyklus fruchtbar ist, erfordert viel Übung. Das überträgt viel Verantwortung auf die Einzelne und erhöht das Fehlerrisiko.
- Die grundlegenden Regeln zur Bestimmung eines Temperaturanstiegs sind sehr fehleranfällig und berücksichtigen weder statistische Auswertungen noch vorherige Zyklen. Die Methode stützt sich auf einzelne Temperaturwerte, was unzuverlässig ist, da viele Faktoren eine einzelne Messung in der Nacht beeinflussen können. Das ist besonders problematisch, weil dadurch hochfruchtbare Tage leicht mit unfruchtbaren Tagen verwechselt werden können – vor allem rund um den Eisprung.
Die Wirksamkeit der symptothermalen Methode
Die Wirksamkeit der TCOYF-Regeln wurde insgesamt nie klinisch validiert. Das Buch bezieht sich auf das Buch Contraceptive Technology und behauptet auf dieser Grundlage, dass die Symptothermale Methode eine typische Versagerrate von 2 % hat. Diese Angabe basiert auf einer einzigen deutschen Studie und ist irreführend sowie aus dem Zusammenhang gerissen. TCOYF verschweigt, dass im Buch Contraceptive Technology auch erwähnt wird, dass neben der deutschen Studie „mehrere andere Studien deutlich höhere Schätzungen ergaben, bis zu 33 % bei typischer Anwendung“. Im Buch Contraceptive Technology steht außerdem: „Wir halten die Ergebnisse für die Symptothermale Methode (Studie durchgeführt in Deutschland) für unglaubwürdig, obwohl wir keine Fehler im Studiendesign oder in der Analyse feststellen können.“
Wenn man die deutsche Studie genauer liest, zeigt sich, dass die Frauen vor der Teilnahme an der Studie einen dreimonatigen Präsenzkurs absolvieren mussten. Das bedeutet, dass die Teilnehmerinnen sehr gut in der Methode geschult und besonders engagiert waren – und damit wenig mit realen Situationen vergleichbar sind. Das bestätigt auch die sehr niedrige Rate an Frauen, die an als Fruchtbar markierten Tagen ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten – ein Unterschied zu dem, was wir bei unseren Nutzerinnen im Alltag beobachten. Außerdem schließt die Studie Frauen aus, die zum Beispiel unregelmäßige Zyklen haben. Die leicht abgewandelten Regeln in TCOYF wurden nie wissenschaftlich untersucht.
Der Algorithmus von Natural Cycles
Natural Cycles unterscheidet sich von TCOYF, da der NC°-Algorithmus im Laufe der Zeit dazulernt und sich an den individuellen Zyklus jeder Person anpasst. Natural Cycles ist ab dem ersten Tag der Anwendung wirksam. Erfahre hier mehr darüber, wie es funktioniert.
Die Wirksamkeit von Natural Cycles
Der Algorithmus von Natural Cycles wurde sowohl von der FDA in den USA als auch in Europa als Medizinprodukt zur Verhütung zugelassen. Außerdem sind wir im ARTG in Australien und im SMDR in Singapur gelistet und haben von Health Canada eine Zulassung als Medizinprodukt der Klasse II für die Anwendung zur Verhütung erhalten. Das bedeutet, dass strenge klinische Studien durchgeführt wurden, um die Wirksamkeit nachzuweisen. Die Methodenversagerquote des Natural Cycles-Algorithmus liegt bei 0,5 %, während die Wirksamkeit bei perfekter Anwendung mit 98 % (2 % Versagerquote) und die Wirksamkeit bei typischer Anwendung mit 93 % (7 % Versagerquote) belegt wurde.
Nach intensiver Prüfung hat die FDA außerdem bestätigt, dass Natural Cycles für Personen mit unregelmäßigen Zyklen genauso wirksam ist wie für diejenigen mit regelmäßigen Zyklen.
Weitere Unterschiede zwischen Natural Cycles und TCOYF
- Die Wirksamkeit der TCOYF-Regeln wurde nie klinisch validiert. Natural Cycles ist jedoch als zugelassenes Medizinprodukt strengen Tests und jährlichen Audits unterworfen. Unsere FDA-Zulassung basiert auf der Analyse von mehr als 15.000 Frauen über 180.000 Zyklen. Wir überwachen die Leistung der App monatlich, um sicherzustellen, dass unser Pearl-Index konstant bleibt und unsere Wirksamkeitsrate gleichbleibt. Mehr über unsere Forschung, einschließlich unserer Wirksamkeitsstudien, kannst du hier nachlesen.
- TCOYF erklärt, dass man sich, wenn man nur die Temperatur und nicht den Zervixschleim beobachtet, nicht auf präovulatorische Grüne (nicht-fruchtbare) Tage verlassen sollte, da der Eisprung allein anhand der Temperatur nicht im Voraus vorhergesagt werden kann. Der Algorithmus von Natural Cycles lernt jedoch aus dem individuellen Zyklusmuster der Nutzerin und legt vor dem Eisprung eine großzügige Pufferzone mit Roten Tagen an, um eventuelle Zyklusunregelmäßigkeiten zu berücksichtigen. Bei der Nutzung von Natural Cycles kannst Du Dich sowohl vor als auch nach dem Eisprung auf Grüne Tage verlassen, da das Schwangerschaftsrisiko sehr gering ist – der Algorithmus vergibt einen Grünen Tag sogar im Fruchtbarkeitsfenster (0,5 %).
- Der Algorithmus von Natural Cycles verwendet ausgefeilte statistische Tests, um zu bestätigen, dass der Eisprung stattgefunden hat. Dabei wird die Temperaturkurve mit dem individuellen Muster der Nutzerin während des Eisprungs verglichen. Deshalb kann es manchmal mehr als drei hohe Temperaturen benötigen, manchmal aber auch weniger – je nach Datenlage und statistischer Signifikanz. Würde Natural Cycles stattdessen die einfache 3-über-6-Regel von TCOYF zur Bestätigung des Eisprungs verwenden, wäre die Versagensrate der Methode deutlich höher als sie es aktuell ist.